Waldumbau

Zukunftsfähige Waldentwicklung im Stadtwald Mannheim

Der Klimawandel stellt den Wald vor große Herausforderungen. Bäume sind ortsgebunden und benötigen 50 bis 100 Jahre, um von einem Sämling zu einem samenbildenen Baum zu wachsen. Ohne gezielte Eingriffe wird die schnell wachsende Spätblühende Traubenkirsche den Wald dominieren und andere Baumarten durch Lichtmangel verdrängen. Um die Biodiversität langfristig zu sichern, setzen wir im Stadtwald Mannheim auf eine Vielfalt von Baumarten und Methoden. Wir testen dabei ab 2024 drei Waldverjüngungsverfahren: Voranbau von Schattenbäumen unter Altbäumen, Entwicklung von Baum-
gruppen in Lichtfreiräumen und Anbau von Lichtbäumen in Gruppen auf kleinen Flächen.
Wir überwachen regelmäßig, welche Methoden erfolgreich sind und passen unsere Vorgehensweise bei Bedarf an.

Die Verfahren zum Waldumbau im Überblick:

Voranbau von Schattenbäumen im Schutz von Altbäumen

Ziel:
Ziel ist die Entwicklung großkroniger, klimastabiler Laubbäume wie Hainbuche und Linde.

Vision:
Unter dem lichten Kronendach der Kiefern wachsen Laubbäume geschützt vor Witterungsextremen. Die halbschattigen Bedingungen fördern ihr Wachstum gegenüber lichtliebender Konkurrenz. Wo Kiefern ausfallen, wachsen die jungen Laubbäume nach und formen den zukünftigen, klimastabilen Mischwald.

Risiko:
Die Pflanzen konkurrieren mit Altbäumen und der Spätblühenden Traubenkirsche um Wasser, besonders in Trockenjahren, was zu Ausfällen führen kann. Die Traubenkirsche muss regelmäßig zurückgeschnitten werden. Absterbende Altbäume können die jungen Bäume beschädigen. Zudem müssen die jungen Bäume vor Rehen und Kaninchen mit Wuchshüllen geschützt werden.

Entwicklung von Baumgruppen in Lichtfreiräumen

Ziel:
Ziel ist die Entwicklung großkroniger, klimastabiler Laubbäume, die als Samenbäume für zukünftige Waldgenerationen dienen, den Boden verbessern und zahlreichen Arten als Lebensraum dienen.

Vision:
In einem sich auflösenden Kiefernwald entstehen natürliche Kronenlücken, in denen Licht auf den Boden fällt. Dort werden etwa 20 lichtliebende Bäume wie Eichen gepflanzt. Mindestens ein Baum pro Gruppe soll ein hohes Alter erreichen und als Samenbaum dienen. Diese
Bäume tragen zur Entstehung eines lichten Eichen-Mischwaldes bei, indem sie Samen für die nächste Generation von Bäumen liefern.

Risiko:
Eichen wachsen langsam im Vergleich zur Spätblühenden Traubenkirsche. Diese muss daher oft zurück geschnitten werden, um den Eichen Wachstum zu ermöglichen. Einzelne Eichen benötigen Wuchshüllen zum Schutz vor Rehen und Kaninchen. In Trockenjahren kann
es zu Ausfällen kommen, da Eichen um Wasser mit den Altbäumen konkurrieren.

Anbau von Lichtbäumen in Gruppen auf kleinen Flächen

Ziel:
Bildung mehrerer kleiner Baumgruppen aus Eichen und anderen Lichtbaumarten, die als Samenbäume für zukünftige Waldgenerationen fungieren. Diese Gruppen verbessern den Boden und bieten Lebensraum für viele Arten.

Vision:
Auf einer Fläche von bis zu 0,3 ha im sich auflösenden Kiefernbestand, der stark von Spätblühender Traubenkirsche überwuchert ist, werden diese Flächen von der Traubenkirsche befreit und mit Eichen sowie anderen Lichtbaumarten in Gruppen bepflanzt. Zwischen den Gruppen bleiben Lücken für die Ansiedlung anderer Baumarten. Bis zu fünf Bäume pro
Gruppe und aufkommende Naturverjüngung werden gepflegt, um einen lichten, klimastabilen Eichen-Mischwald der Zukunft zu schaffen.

Risiko:
Eichen wachsen langsam und benötigen häufigen Rückschnitt der Spätblühenden Traubenkirsche. Zum Schutz vor Rehen wird ein Zaun gebaut. Die große, nicht beschattete Fläche kann durch Sonneneinstrahlung austrocknen, wodurch junge Bäume mit den Altbäumen um Wasser konkurrieren.